Gruppenmitglieder:
Herlinde Reisch, a0217580@unet.univie.ac.at Mira Angermann, mira.angermann@gmx.net Elke Grasserbauer, grasserbauer@kabsi.at Gabriela Messner, gabriela.messner@pimex.at Harald Kviecien, harald.kviecien@pimex.at
3. gemeinsames Treffen am
28.11.2006
&
4. gemeinsames Treffen am
30.11.2006
Zusammenfassung Mira:
Einleitung:
Ausgehend von den Gemeinsamkeiten unserer Eingangsstatements haben wir
unsere Denkprozesse weitergeführt, auch die Vorlesung diente zur Anregung.
Wir leiten unsere Arbeit mit einer Definition des Verstehens ein, danach
erklären wir die verschiedenen Schritte des Verstehens und erläutern die
Unterscheidung zwischen „Alltagsverstehen“ und „wissenschaftlichen Verstehen“
und schließen mit den Vorraussetzungen für das Verstehen unsere Arbeit ab.
Definition des Verstehens:
Das Verstehen ist ein prozesshaftes Vorgehen mit dem Ziel die
Wirklichkeit zu erfassen, zumindest um handlungsfähig zu sein, bis hin
möglichste Objektivität zu erreichen. Verstehen ist deshalb ein prozesshaftes
Vorgehen, da es verschiedene Schritte des Verstehens gibt und Verstehen kein
endgültiges Ende hat. Es kommt immer wieder zu neuem Input und daher verändert
sich das Verstehen laufend. Jeder Mensch kann innerhalb seiner Möglichkeiten
(kognitive Fähigkeiten, Interesse,…) bewusst oder unbewusst entscheiden,
inwieweit er sich Theorien der Wirklichkeit annähern möchte, daher hängt das
Ziel die Wirklichkeit zu erfassen auch mit dem Wunsch Verstehen zu wollen
zusammen. Das Ziel die Wirklichkeit zu erfassen beinhaltet extrinsische Momente
(Wahrnehmung, Umwelt,…) und
intrinsische Momente (Interesse, Motivation,…). Verstehen um handlungsfähig zu
sein, könnte auch als „Alltagsverstehen“ bezeichnet werden, während
„wissenschaftliches Verstehen“ möglichste Objektivität voraussetzt.
Die Schritte des Verstehens:
Um etwas verstehen zu können, muss zu allererst etwas wahrgenommen
werden. Das Wahrnehmen erfolgt über die Sinne. Das mit den Sinnen Wahrgenommene
muss, um es bearbeitbar und kommunizierbar zu machen, beschrieben, das
heißt in Begriffen dargestellt werden.
Dem Beschriebenen ist nun ein Sinn, eine Bedeutung beizumessen. Eine Bedeutung
beimessen heißt, die Beschreibung des aktuell Wahrgenommenen bewusst oder
unbewusst mit Anderem, bereits Vorhandenem in Beziehung zu setzen, es zu
verknüpfen. In Beziehung setzen bedeutet
Verknüpfungen mit den Vorerfahrungen (subjektives Verstehen) oder mit
anderen Aussagen innerhalb eines anderen Systems (objektives Verstehen, im
Sinne von subjektunabhängig) herzustellen.
Seit Kant mit seiner kopernikanischen Wende gehen die
wissenschaftstheoretischen Positionen davon aus, dass der Mensch als
vernünftiges Wesen die Welt ordnet, das heißt sie wahrnimmt, beschreibt und
interpretiert. Der Mensch schaut auf die Dinge, bildet sich eine Theorie, das
heißt er abstrahiert seine Verknüpfungen und verallgemeinert sie.
Das Verstandene ist so lange gültig bis es zu neuem Input kommt und neue
Verknüpfungen folgen. Der Prozess des Verstehens lässt sich gut am Beispiel eines
Hausbaus veranschaulichen. Jeder Mensch baut aus einem gewissen Material des
Verstehens sein Haus. Solange sich neue Erfahrungen mit den alten verknüpfen
lassen, solange kann man an seinem Haus weiterbauen. Manchmal kommt es aber zu
einem Moment, in welchem die einzelnen Teile nicht mehr zueinander passen und
das Haus abgerissen werden muss und der Bau des Hauses von Neuen beginnt.
„Alltagsverstehen“ und
„wissenschaftliches Verstehen“:
Wir unterscheiden also beim Verstehen zwischen einem eher subjektbezogenen
„Alltagsverstehen“ und einem um Objektivität (im Sinne vom Subjekt
unabhängigen) bemühten „wissenschaftlichen Verstehen“.
„Alltagsverstehen“:
Das Alltagsverstehen hat zum Ziel, sich selbst oder andere bzw. Anderes,
das heißt die Umwelt zu verstehen, um in dieser Welt handeln zu können. Man
nimmt sich selbst wahr, sein Verhalten, seine Gedanken, seine Emotionen oder
die der Anderen, beschreibt und interpretiert (verknüpft) diese. Die
Verknüpfungen sind abhängig von der individuellen Vorerfahrung, der
Lebensgeschichte, dem Milieu und der Interpretationsfähigkeit des einzelnen.
Neue Erfahrungen werden in das bestehende Verknüpfungssystem (=Theorie)
eingebaut und zwar solange bis eine neue Erfahrung nicht mehr in das bestehende
System einzuordnen ist. Dann kann man weiterhin an seinem System festhalten und
die „unpassenden“ Erfahrungen verdrängen oder aber seine Verknüpfungen neu
ordnen.
Alltagsverstehen entsteht in Auseinandersetzung mit der Realität,
beansprucht aber nicht unbedingt die Wirklichkeit in ihrem „So-Sein“ zu
erfassen.
Alltagsverstehen muss nicht begründet werden.
„Wissenschaftliches
Verstehen“:
Wissenschaftliches Verstehen hat zum Ziel, Erfahrungen zu beschreiben
und soweit zu verknüpfen, dass sie möglichst der Wirklichkeit entsprechen. Im Unterschied
zum Alltagsverstehen ist hier eine Begründung notwendig. Die Begründung
aufgrund von subjektiven Erfahrungen ist nicht ausreichend. Die Begründung muss
empirisch (im Sinne der Korrespondenztheorie), in Übereinstimmung mit anderen
Aussagen (Kohärenztheorie) oder dadurch, dass andere Personen die gleichen
Verknüpfungen gemacht haben (Konsenstheorie) erfolgen, wobei der
„Wahrheitsanspruch“ der Theorien in dieser Reihenfolge immer mehr abnimmt.
Voraussetzungen für
Verstehen:
Unser Verständnis von Verstehen beinhaltet Ziel und Bewegung und den
Wunsch etwas Verstehen zu wollen. Man möchte einen Zustand des Verstehens
erreichen, in dem Wissen, dass man im Moment noch nicht versteht.
Die Sinne sind Voraussetzung für jede Art der Wahrnehmung und somit auch
für das Verstehen. Hören, also akustisches Verstehen, zählt nicht zum
Verstehen, sondern ist eine wichtige, jedoch nicht unbedingt notwendige
Voraussetzung für das Verstehen.
Neben dem Wunsch etwas Verstehen zu wollen, bestimmen auch kognitive
Fähigkeiten den Grad des Verstehens. Beispielsweise können Kinder nur gemäß
ihrem Entwicklungsstand verstehen oder ist es nicht jedem möglich ein
Mathematikstudium zu absolvieren und zum Beispiel mathematische Beweise (oder
die Relativitätstheorie) zu verstehen.
Es gibt Verstehensprozesse, die im Hintergrund ablaufen und plötzlich
hat man ein so genanntes „Aha-Erlebnis“. Daraus folgt, dass man sich mit
manchen Inhalten bewusst auseinandersetzt und andere Prozesse unbewusst vor
sich gehen und man dennoch versteht.
Gruppenprozess
Die Arbeit in der Gruppe verläuft weitestgehend
zielstrebig und geprägt von dem was die Gruppenmitglieder als Teil der
Gemeinsamkeiten in deren Verständnis von „Verstehen“ identifiziert haben:
„Verstehen zu wollen“. Alle Gruppenmitglieder sind offen für die Meinung der
anderen und sehr bemüht das „Verstehen“ zu beschreiben, die Unterschiede und
Gemeinsamkeit zu erörtern sowie die Gedanken in eine gemeinsame Form zu gießen.
Die „gemeinsame Reise des Denkens“, um den Sinn von Verstehen zu erfassen steht
im Vordergrund.
Zu Beginn der Gruppenarbeit gibt es im Zuge des
ersten von fünf Treffen eine kurze Phase des Kennenlernens, da sich die
Gruppenmitglieder vorher entweder nur kurz einmal gesehen hatten oder gar nicht
kannten. Die Gruppenmitglieder versuchen sich gegenseitig kurz einzuschätzen um
dann rasch mit der Arbeit zu beginnen. Nach dem Lesen aller Eingangsstatements
durch die Gruppenmitglieder hat einer der Gruppe das Gemeinsame der Statements
herausgefiltert. Diese Gemeinsamkeiten (1. Zusammenhang „Verstehen“ und
„Verstehen wollen“, 2. Skalierung, unterschiedliche Grade des Verstehens, 3.
Bewegung, Prozess, Dynamik) begleiten die Teilnehmer die weiteren Treffen und
finden sich auch in der abschließenden Definition wieder.
Im Anschluss beginnen erste Diskussionen und das
Austauschen von Meinungen.
Es wird kurz darüber gesprochen, ob eine
Gegenüberstellung von Mensch und Maschine (Mensch = nicht triviale Maschine)
für das Herausarbeiten einer Definition hilfreich sein kann. Die Gruppenmitglieder können sich nicht einigen, inwieweit komplexe Maschinen
(z. B. Computer) verstehen können bzw. künstliche Intelligenz eine Rolle
spielt. Dieser Aspekt wurde zu diesem Zeitpunkt nicht vertieft, da es
eher den gemeinsamen Gedankenprozess behindert hätte.
Beim 2. Treffen hilft zu Beginn eine kleine
Internet-Recherche eines Mitglieds insofern weiter, als sich dadurch eine
Bestätigung für bisherigen Überlegungen in Richtung Unterscheidung
unterschiedlicher Arten des Verstehens (Alltagsverstehen, wissenschaftliches
Verstehen) ergibt. In weiterer Folge bringen Gruppenmitglieder Gedanken ein,
die sie sich in der Zwischenzeit überlegt hatten. Auf diese Weise wird der Begriff des Verstehens aus verschiedenen
Blickwinkeln diskutiert (z. B. gibt es ein kognitives und ein emotionales
Verstehen und in welcher Beziehung stehen sie zueinander?) ohne jedoch eine
Erklärung des Begriffs zu finden. Der Versuch, sich dem „Verstehen“ aus
unterschiedlichen Perspektiven anzunähern liefert schließlich erste Antworten,
ohne sie jedoch durchgängig begründen zu können. Erstaunlicherweise sind
Diskussionen und sogar Einigungen über z. B. Voraussetzungen für Verstehen
möglich, ohne den Begriff selbst bereits definiert zu haben. Dies bedeutet,
dass offensichtlich das implizite Verständnis der Gruppenmitglieder vom Begriff
des Verstehens ähnlich ist, ohne dass diese (bis jetzt) in der Lage sind, ihn
zu explizieren.
Die inhaltlichen Gespräche gehen sehr in die Breite,
was einerseits hilft sich gegenseitig besser einzuschätzen, es kommt ein wenig
der persönliche Zugang zur Sprache. Kein Gruppenmitglied ist Studienanfänger
und alle bringen daher schon einiges an Vorwissen und Vorverständnis mit. Jeder
hat schon etwas über den „Hermeneutischen Zirkel“ gehört, gelesen oder ein
Seminar zu diesem Thema besucht. Die Fülle an Ideen und Argumenten sorgten für
einige Verwirrung, daher wurde der Vorschlag vorgebracht, bei der 3. Sitzung
sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.
Im 4. und 5. Treffen wird auf die Festlegung einer
Definition hingearbeitet, die alle bisherigen Ansichten vereint und nach
schlüssigen Begründungen gesucht.
Die Argumentation der Gruppenmitglieder ist stets auf
sachlicher Ebene. Kein Gruppenmitglied beharrt auf seinem Standpunkt, sondern
hört sich die Argumente der anderen an und versucht dann zu begründen weshalb
er dies so oder anders sieht.
Aufgabenverteilung
Jedes Gruppenmitglied schreibt die für ihn wichtigen
Punkte während des Gruppentreffens mit. Gegen Ende des Treffens wird werden die
wesentlichen Inhalte des Treffens herausgearbeitet. Am Ende meldet sich dann
ein Gruppenmitglied freiwillig, das Gesagte schriftlich zusammenzufassen und in
einem Online-dokument (http://oh-forum.themenplattform.com/270570.9/), zu
welchem jedes Gruppenmitglied Zugriff hat, zu publizieren. Dort besteht dann
für jedes Gruppenmitglied die Möglichkeit die Zusammenfassung zu kommentieren
und Ergänzungen einzufügen. Die überarbeitete Zusammenfassung dient als
Arbeits- und Argumentationsgrundlage für die nächste Sitzung.
Dokumentation der bisherigen Herangehensweise.
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