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5 Aug. 2004, Deutschland
 
Arbeitsunfälle können psychische Folgen haben
Beispiel Pflegeberufe: Traumatische Erlebnisse sind nicht selten – Frühzeitige Erkennung und Behandlung wichtig
 
Ein schwerer Arbeitsunfall: Die körperlichen Wunden verheilen vielleicht – doch die Seele leidet weiter. Was als Folge von Kriegen, Katastrophen und Verbrechen bekannt ist, kommt auch in der Arbeitswelt vor: Der Beschäftigte ist psychisch nicht mehr in der Lage, seinen Beruf weiter auszuüben. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) weist darauf hin, dass schnelles Eingreifen erforderlich ist, um psychische Folgeschäden zu verhindern.

Meist werden in den ersten Wochen nach einem Arbeitsunfall nur die körperlichen Wunden behandelt, während psychische Probleme nicht rechtzeitig erkannt werden. BGW-Diplom-Psychologin Annett Zeh: „Zu den typischen Symptomen zählt, dass das traumatische Ereignis ungewollt in Träumen und Gedanken wieder auflebt. Der Betroffene vermeidet Situationen, die ihn daran erinnern, und leidet unter Ängsten, Schlafstörungen und Reizbarkeit.“ Wird er rechtzeitig behandelt, klingen die Beschwerden meist nach einiger Zeit ab. Eine Chronifizierung kann dagegen das Rückzugs- und Vermeidungsverhalten verstärken und schließlich zu Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung führen. Oft kommen Depressionen und Alkohol- oder Tablettenabhängigkeit hinzu.
Die BGW hat sich dieses Themas angenommen, weil in einer Berufsgruppe – bei der man es zunächst gar nicht vermutet – beruflich bedingte psychische Traumata nicht selten sind: in Pflegeberufen. Oft werden Pflegekräfte Opfer von Attacken altersverwirrter, aggressiver Heimbewohner oder Patienten. Die BGW-Expertin: „Solche traumatischen Erlebnisse sollten der BGW frühzeitig gemeldet werden. Unsere Mitarbeiter können dann gegebenenfalls Maßnahmen in die Wege leiten.“
Nicht jeder benötigt nach einem erlittenen Trauma eine Psychotherapie. Oft helfen Betreuungsgespräche mit psychologischen Fachkräften, bei deren Vermittlung die BGW Unterstützung leistet. Stellt sich heraus, dass eine psychotherapeutische Behandlung notwendig ist, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
Eine ambulante Therapie hat den Vorteil, dass sie berufsbegleitend stattfinden kann. Bei schwereren Störungen lässt sich eine Chronifizierung durch stationäre Behandlung verhindern. In der Therapie lernen die Patienten, warum ihre Alpträume oder Angstzustände immer wiederkehren und in welchem Zusammenhang diese mit dem traumatischen Ereignis stehen. „Falls erforderlich, kann auf der Basis einer kognitiven Verhaltenstherapie eine positive Veränderung oder Heilung bewirkt werden“, so Annett Zeh. „Hier wird der Patient an seine Traumaerinnerungen oder an reale Situationen herangeführt, etwa durch den Besuch des Unfallortes.“
 
Quelle: BGW

Metainfo:Autor: Harald Kviecien
Copyright: One Health Forum
Publiziert von: Harald Kviecien
infoID: 164327.1 Publiziert am 5 Aug. 2004; 13:13
 
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